Der Dualseelenprozess
"Es ist nicht leicht, das Glück in sich zu finden, doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden". (orientalische Weisheit)
Der Dualseelenprozess - ein Wort, das viele in Angst und Schrecken versetzt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, mit wie viel Leid, Sehnsucht und Desinformation er oft verbunden wird.
Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein Mensch für einen anderen Menschen "lernen" kann. Es klingt, als würde man behaupten: Der eine isst, und ein anderer wird satt. Jeder Mensch trifft seine eigenen Entscheidungen, ist für sich selbst verantwortlich und trägt dafür auch die Konsequenzen.
Die Behauptung, dass der "Gefühlsklärer" automatisch davon profitiert, wenn der "Loslasser" an seinen eigenen Themen arbeitet, ist zunächst einmal eine Hypothese. Aus meinen Recherchen und Gesprächen mit Seelen entstand bei mir der Eindruck, dass viele Menschen den Zugang zu ihrer Seele weitgehend verloren haben. Nach meinem Verständnis wäre eine echte seelische Übertragung unter solchen Voraussetzungen kaum möglich - höchstens eine kurzlebige mentale Projektion, die in der Regel keine Früchte trägt.
Bevor wir nicht eins mit unserer eigenen Seele werden, können wir nicht eins mit einem anderen Menschen werden. Ja, der Gefühlsklärer mag Themen haben - aus der Kindheit, Vorleben, Erfahrungen-, doch niemals bestimmt der Loslasser, wann und wie der andere lernen soll. Den Gefühlsklärer zu lieben - so edel, aufrichtig und tief es auch sein mag - kann dennoch den Makel des Aufdrängends tragen. Denn Gedanken können Energie, Macht und auch Manipulationspotenzial entfalten. Wir wissen nicht, was für den "anderen" gut ist. Wir erkennen, auch wenn nur unbewusst, wann wir geliebt werden-und wann nicht.
Die Idealisierung des "großen Treffens", die den Glauben stützt, "einer hätte sich in zwei geteilt", entspringt möglicherweise auch einem Wunschdenken. Erst wenn uns eine Sache bewusst wird, beginnt sie zu existieren-das gilt auch für die Seele. Sie muss ihre Aufmerksamkeit gezielt auf eine andere Seele richten, um mit ihr in Kontakt treten zu können. Viele Seelen bleiben einander fremd, weil die Bewusstheit fehlt.
Wir senden nicht einfach willkürliche Botschaften in die Welt und hoffen, dass sie irgendwann den Richtigen erreichen. Alles beginnt bei uns selbst. Und vielleicht-wer weiß wartet am Ende des Weges tatsächlich eine Liebesrosine auf uns; eine Steigerung dessen, was wir einst geliebt haben und was uns verloren ging. Nichtsdestotrotz, ist Liebe individuell; für viele soll sie sogar maßgeschneidert sein. Denn wer möchte schon eine Liebe, das eigene Leben und lieb gewonnene Gewohnheiten völlig auf dem Kopf stellt?
Große Gefühle? JA! Jedoch in Filme, Romane und auf der Leinwand, denn im echten Leben fordert Liebe ihren Preis, und nicht jeder ist bereit, diesen Preis zu bezahlen. Sich schwärmerisch und ohne Einwände dem Fluss der Liebe hingeben - und zeitgleich mit dem Notausgang liebäugeln? No Go. Vielleicht macht Verliebtheit blind, Liebe aber, öffnet die Augen.
Die Schattenseite des Cupido.
Dion Fortune und Eve Lorgen beschäftigen sich – trotz eines zeitlichen Abstands von rund einem Jahrhundert – mit auffallend ähnlichen Ideen über intensive, oft destruktive Beziehungsdynamiken. Dion Fortune, eine britische Okkultistin des frühen 20. Jahrhunderts, beschrieb in ihren Werken insbesondere „Psychische Angriffe“ und Formen von Energieverlust in zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie auf okkulte Einflüsse zurückführte. Eve Lorgen greift diese Grundgedanken in moderner Form wieder auf und entwickelt sie weiter, indem sie in ihrem Buch: The Dark Side of Cupid von manipulativen, teils übernatürlich beeinflussten Liebesverbindungen spricht, die Menschen emotional binden und schwächen können. Während beide Ansätze nicht wissenschaftlich fundiert sind, spiegeln sie doch ein zeitübergreifendes Bedürfnis wider, intensive und schwer erklärbare Beziehungserfahrungen zu deuten.
„Liebe ist wie die Sonne: Es ist unmöglich, sie anzusehen, ohne von ihr geblendet oder erleuchtet zu werden.“