Was sind Nahtoderfahrungen?

Nahtoderfahrungen (NTE) werden von Menschen geschildert, die dem Tod sehr nahe gekommen sind. Sei es bei schweren Unfälle, Operationen, Suizidversuchen oder auch in Zusammenhang mit Drogen - und Alkoholmissbrauch. Oft handelt es sich um lebensbedrohliche Situationen, teilweise auch um Zustände während eines Kreislaufstillstands oder einer Reanimation.

Typische Erlebnisse

Viele Betroffene berichten, dass sie sich plötzlich außerhalb ihres Körpers befanden - und das Geschehen von außen beobachten konnten. Manche beschreiben, wie sie an der Decke schwebten und von oben mitverfolgten, wie Ärzte oder Rettungskräfte versuchten, ihr Leben zu retten. Bemerkenswert sind auch Berichte von blinden oder gehörlose Menschen, die während einer Nahtoderfahrung den Eindruck hatten, sehen oder hören zu können. Einzelne Berichte enthalten zudem Details, die nachträglich als überprüfbar beschrieben wurden. 

Begegnung mit dem Licht

Ein wiederkehrendes Element ist die Wahrnehmung eines Lichts, oft verbunden mit Symbole wie:"

-einem Tunnel

-einem Fluss

-eine Tür oder einem Tor

Dieses Licht wird als liebevoll, warm und einladend beschrieben. An diesem Ort begegnen die Betroffenen angeblich Geistwesen, Engeln, Heilige oder bereits verstorbene Angehörigen, die sie empfangen.

Lebensrückblick

Die Szenen erscheinen teilweise holografisch. Besonders eindrücklich ist die Schilderung, dass die Betroffenen dabei haben auch die Gefühle jener Menschen zu spüren glauben, die sie selbst im Leben beeinflusst haben - im Positiven wie im Negativen. 

Eigenschaften des "anderen Ortes"

Das Erlebnis wird begleitet von tiefen Gefühlen

  • bedinunglose Liebe
  • inneren Frieden
  • Freude und Geborgenheit
  • absolute Schmerzfreiheit                                                                                                                                  

Die Umgebung wird beschrieben als majestätisch, mit leuchtenden Landschaften, saftigem Grün und sphärischer Musik - so schön, dass viele nicht mehr zurückkehren möchten. 

Rückkehr ins Leben

Manche erhalten die Wahl, ob sie bleiben oder zurückkehren möchten. Andere werden mit der Begründung, ihre Zeit sei noch nicht gekommen, zurückgeschickt. Die Rückkehr wird oft als schmerzhaft erlebt, verbunden mit einem plötzlichen Zurückfallen in den Körper.

Wirkung auf die Betroffenen

Viele Menschen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben, berichten danach von tiefgreifenden Veränderungen. Die Angst vor dem Tod nimmt ab oder verschwindet, das leben wird bewusster und sinnorientierter erlebt, geprägt von einem neuen Vertrauen. 

Was, wenn es nicht so wäre?

Wir kennen niemanden, der im Jenseits war und dann ins Diesseits zurückgekehrt ist, um unsere Glaubensdogmen zu bestätigen.
Vielleicht wäre es ratsam, sich bereits im Diesseits, solange man noch lebt, auf die Suche nach dem zu machen, was uns möglicherweise erwartet, tatsächlich allen erwartet, und nicht blind und naiv auf das Hörensagen einer Obrigkeit zu vertrauen. 

Was könnte nach dem Tod geschehen?

Niemand kann mit Gewissheit sagen, was nach dem Tod geschieht. Religionen, philosophische Traditionen, alte Texte, Berichte über Nahtoderfahrungen und moderne Forschungen zum Bewusstsein liefern unterschiedliche Modelle – aber keines davon kann derzeit als endgültiger Beweis dafür gelten, was uns tatsächlich erwartet.

Einige der bekanntesten Vorstellungen sind:

Das Tibetische Totenbuch – Bewusstsein im Übergang
Das Bewusstsein durchläuft verschiedene Zwischenzustände. Die wahrgenommenen Erscheinungen können als Projektionen des eigenen Geistes verstanden werden. Erkenntnis kann zur Befreiung führen, während Anhaftung und Unwissenheit schließlich in eine neue Verkörperung münden.

Das altägyptische Totenbuch – Prüfung und Weiterreise
Die altägyptischen Totentexte beschreiben den Tod als Übergang in eine andere Daseinsform. Berühmt ist das Bild vom Herzen des Verstorbenen, das gegen die Feder der Maat – Symbol für Wahrheit und kosmische Ordnung – gewogen wird. Das gelebte Leben erhält damit Bedeutung für das weitere Schicksal.

Platons Berichte – Seele, Erkenntnis und Wiederkehr
Auch in der griechischen Philosophie finden sich Vorstellungen einer vom Körper unabhängigen Seele. Besonders bemerkenswert ist Platons „Mythos des Er“: Ein für tot gehaltener Krieger kehrt ins Leben zurück und berichtet von einer jenseitigen Welt, der Beurteilung vergangener Leben und einer erneuten Verkörperung.

Nahtoderfahrungen – moderne Berichte von der Schwelle
Menschen verschiedener kultureller Hintergründe berichten von außerkörperlichen Wahrnehmungen, Licht, Begegnungen, einem Lebensrückblick oder einem Gefühl tiefen Friedens. Andere erleben dagegen Leere, Angst oder verstörende Szenen. Was diese Erfahrungen verursacht und ob sie etwas über ein Fortbestehen des Bewusstseins nach dem Tod aussagen, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

Materialistische Sicht – das Ende des Bewusstseins
Eine andere Möglichkeit lautet schlicht: Mit dem endgültigen Erlöschen der Gehirnfunktion endet auch das individuelle Bewusstsein. Aus dieser Perspektive gibt es weder Übergang noch Wiedergeburt noch eine jenseitige Welt. Auch diese Position beantwortet jedoch nicht alle philosophischen Fragen darüber, was Bewusstsein letztlich ist und wie subjektives Erleben entsteht. Und wenn mehrere dieser Vorstellungen nur verschiedene Ausschnitte beschreiben? Vielleicht sind Licht, Bardo, Lebensrückblick, Wiedergeburt oder das endgültige Erlöschen des Bewusstseins menschliche Versuche, etwas zu beschreiben, das sich unserer gegenwärtigen Erkenntnis entzieht. Wir wissen es nicht. Und genau deshalb erscheint mir die Frage interessanter als jede vorschnelle Gewissheit: Wenn wir nicht wissen, was uns nach dem Tod erwartet – wie wollen wir dann leben, solange wir hier sind?